Diagnostik

Bei den „Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen“ (FASD), die beim Kind durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft entstehen können, werden in der Diagnose drei Ausprägungen unterschieden:

Das „Fetale Alkoholsyndrom“ (FAS) wird als Vollbild der alkoholbedingten Schädigung verstanden. Zur Diagnose gehört:

  • Das Kind, der Jugendliche oder junge Erwachsene ist zu klein oder zu leicht im Vergleich zur Altersgruppe. Diese Abweichung muss nicht aktuell bestehen, aber in der bisherigen Entwicklung zumindest einmal bestanden haben.
  • Die Lidpsalten sind sehr kurz und die Oberlippe ist sehr schmal und das Philtrum, das ist die Doppelfalte zwischen Nasenspitze und Oberlippe, fehlt oder ist kaum erkennbar. Diese Abweichungen müssen nicht aktuell bestehen, aber in der bisherigen Entwicklung zumindest einmal bestanden haben.
  • Das Kind, der Jugendliche oder junge Erwachsene zeigt eine Störung im Denken (z.B. Vergesslichkeit, geringe Planungsfähigkeit, Konsequenzen nicht absehen können, Zahlen und Zeiten oder andere abstrakte Größen wie Geldwert nicht verstehen) oder eine soziale Störung (z.B. Distanzlosigkeit, Arglosigkeit, Verleitbarkeit) oder eine emotionale Störung (z.B. Aggressivität, Launenhaftigkeit, Verstimmung) oder Mikrozephalie (geringer Kopfumfang). Treffen die Bedingungen zu, lautet die Diagnose FAS, völlig unabhängig davon, ob etwas über das Trinkverhalten der leiblichen Mutter bekannt ist.

Das „Partielle Fetale Alkoholsyndrom“ (pFAS) wird diagnostiziert, wenn folgendes zutrifft:

  • Von den Veränderungen im Gesicht müssen mindestens zwei der drei folgenden bestätigt sein: Die Lidpsalten sind sehr kurz und/oder die Oberlippe ist sehr schmal und/oder das Philtrum, das ist die Doppelfalte zwischen Nasenspitze und Oberlippe, fehlt oder ist kaum erkennbar. Diese Abweichungen müssen nicht aktuell bestehen, aber in der bisherigen Entwicklung zumindest einmal bestanden haben.
  • Von den Störungen im Denken (z.B. Vergesslichkeit, geringe Planungsfähigkeit, Konsequenzen nicht absehen können, Zahlen und Zeiten oder andere abstrakte Größen wie Geldwert nicht verstehen) und/oder im sozialen (z.B. Distanzlosigkeit, Arglosigkeit, Verleitbarkeit) und/oder im emotionalen Bereich (z.B. Aggressivität, Launenhaftigkeit, Verstimmung) oder Mikrozephalie (geringer Kopfumfang) müssen drei zutreffen. Weiter gehört zur Diagnose des pFAs, dass ein Alkoholkonsum der leiblichen Mutter in der Schwangerschaft wahrscheinlich sein soll. Eine solche Wahrscheinlichkeit ergibt sich etwa, wenn Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder Alkohol- oder Drogenkonsum der leiblichen Mutter bekannt sind oder, wenn Dritte davon glaubhaft berichten.

Die „Entwicklungsstörung nach vorgeburtlicher Alkoholexposition“ (ARND) wird diagnostiziert, wenn folgendes zutrifft:

  • Von den Störungen im Denken (z.B. Vergesslichkeit, geringe Planungsfähigkeit, Konsequenzen nicht absehen können, Zahlen und Zeiten oder andere abstrakte Größen wie Geldwert nicht verstehen) und/oder im sozialen (z.B. Distanzlosigkeit, Arglosigkeit, Verleitbarkeit) und/oder im emotionalen Bereich (z.B. Aggressivität, Launenhaftigkeit, Verstimmung) oder Mikrozephalie (geringer Kopfumfang) müssen drei zutreffen. Weiter gehört zur Diagnose des ARND, dass ein Alkoholkonsum der leiblichen Mutter in der Schwangerschaft gesichert sein soll. Eine solche Sicherheit ergibt sich etwa, wenn die leibliche Mutter einen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft berichtet (auch gegenüber Dritten) oder andere sichere Quellen davon berichten, etwa der Geburtsbericht des Krankenhauses, die Familienhebamme, ein zuständiges Amt oder auch eine nahestehende Person (z.B. Kindsvater, Großeltern, Geschwister), soweit sie glaubhaft erscheint (was z.B. bei zeitgleichen familiären oder Sorgerechtskonflikten kritisch zu behandeln ist).

Festzuhalten ist: zur Diagnose ist nicht erforderlich, dass die leibliche Mutter einen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft persönlich bestätigt. Das wird leider oft so behauptet, ist aber fachlich falsch. Die FASD-Diagnose betrachtet zuallererst das Kind selbst.